Sicher auch 2027 als Gemeinschaft dabei

Thomas Müller ist sich nicht sicher, ob die Veranstaltung weiter wachsen könnte. Wenn man sich angesehen hat, wie wenig freien Raum es in den Wechselzonen beim diesjährigen „Mörsbachmän“ nur noch gab, muss man sich die Frage wohl stellen. Dasselbe Bild im Umfeld, an Getränke- und Essensständen, im Festzelt: „Ich bin eben über den Platz gegangen: So voll war es noch nie!“, nickt Müller. Der Sprint-Triathlon in der im Westerwald gelegenen Kroppacher Schweiz ist offenkundig überaus beliebt – auch bei der heimischen „MANNschaft“, die alleine mit der Rekordzahl von 34 Startern beim Wettbewerb vertreten und das weitaus größte Team gewesen ist!

Friedrich kommt aus dem Wasser. Fotos (13): Bakic

„Mörsbachmän“: Das ist ein absolut professionell organisierter Wettkampf, doch zugleich ein großes Volksfest in der Verbandsgemeinde Hachenburg. In der Gemarkung Obermörsbach entspringt der „Mörsbach“, der später in die Große Nister mündet und dem heute aus vier Ortsteilen bestehenden Mörsbach wohl seinen Namen gab.

Die Hitze flieht hinter Benjamin beim 40. „Mörsbachmän“.

Gunnar hat noch Zeit zum Grüßen.

Der Sportverein „SG Mörsbach“ wurde dort 1982 gegründet, und wenn der von der SG (in diesem Jahr bereits zum 40. Mal) veranstaltete Triathlon-Wettbewerbs ausgetragen wird, geht es um weit mehr als die 240 Meter Schwimmen im Dickendorfer Freibad, die Radstrecke über 20 Kilometer von dort über Elkenroth und Malbergzur Grillhütte Mörsbach oder die anschließende Laufrunde (5,5 Kilometer) um das Veranstaltungsgelände und durch den angrenzenden, vom Käferbefall gezeichneten Wald: Hier treffen sich Menschen aus dem Ort und umliegenden Dörfern, man spricht vielleicht einmal länger mit dem Nachbarn, als wenn man sich sonst im Alltag nur flüchtig auf der Straße sieht. Die viele ehrenamtliche Arbeit für das Sport-Event (siehe „Etwas, das man nicht greifen kann“) schweißt die Gemeinschaft wieder ein bisschen enger zusammen.

Zum 40. hat es eine Urkunde des Rheinland-Pfälzischen Triathlonverbandes (RTV) gegeben, die Thomas Müller (Mitte) aus den Händen von RTV-Präsident Romain Keiser (rechts) bekommen hat. Links im Bild Bernd Knerr, langjähriger Sprecher am Zieleinlauf des „Mörsbachmän“.

„Die erste Vorbereitungswelle haben wir im April gestartet. Da geht es dann los mit Absprachen mit der Verbandsgemeinde, mit Feuerwehren, Rotem Kreuz, Schwimmbad – das sind so die ersten Termine“, schildert Thomas Müller, der 1. Vorsitzende der ausrichtenden „SG Mörsbach“.

Später sind T-Shirts für Finisher wie Helfer zu bestellen, Gespräche, bei denen das Verpflegungskonzept aufgestellt wird, stehen an. „Permanent bist du am Verbessern. Aber zugleich hast du immer weniger Leute, jedes Jahr weniger freiwilliger Helfer, weniger Hände – aber immer mehr Teilnehmer und Besucher hier beim ‚Mörsbachmän‘! Das ist ja das Kuriose“, beschreibt Müller.

Überall ist es „voll“.

Bei 507 seinerzeit registrierten Starten hatte die „SG Mörsbach“ die Anmeldung geschlossen – bereits Anfang Juni war es soweit. „Ab 500 Sportlern wird das Event nicht mehr ganz handelbar – denke ich mal“, gibt Müller zu bedenken. „Das war dieses Jahr ein gelungener Versuch. Am Ende sind von den angemeldeten Sportlern rund 440 gestartet – da sind wir wieder bei den gut zehn Prozent, die üblicherweise ausfallen bei solchen Wettkämpfen. Doch so, mit dieser Teilnehmer- und Zuschauerzahl, hat alles gut geklappt“, urteilt der Vorsitzende, „aber wir kommen halt an die Grenzen.“

Sebastian beim Laufen. Fotos (14): Schmalenbach

An ihre Grenzen gegangen sind gleichermaßen die Aktiven der „MANNschaft“. Der schnellste aus der von „MANN Strom“ gesponsorten Truppe, Niklas Schütz, kam als Gesamtelfter mit einer Nettozeit von 01:11:48 ins Ziel (zum Vergleich: Gesamtsieger Markus Mockenhaupt finishte in 01:06:22). Niklas sicherte sich mit der tollen Leistung zugleich den dritten Platz in der Altersklasse 30 männlich.

Ebenfalls „aufs Treppchen“ – und zwar jenes mit der „1“ – ging es für Niklas‘ Teamkollegin Clarissa Giles, die die Schnellste der Altersklasse 30 weiblich und 1:22:09 nach dem Start im Dickendorfer Freibad im Ziel an der Grillhütte gewesen ist.

Clarissa läuft zum Sieg in ihrer Altersklasse.

Apropos Schwimmbad: Mit den dort Verantwortlichten müssten die Organisatoren wohl auch noch einmal sprechen, ob ein weiteres Wachstum des „Mörsbachmän“ machbar sein könnte. Denn der ausrichtende Verein mietet das Schwimmbad zwar für einen kleinen Obulus an, aber bisher ist es so, dass man das Becken ab 13 Uhr wieder für den „normalen“ Badebetrieb benötigt – erst recht an so einem hochsommerlich heißen Tag wie dem Augustsamstag, an dem dieses Jahr der „Mörsbachmän“ stattgefunden hat.

Nebenbei: Die Wetterbedingungen setzten vielen Teilnehmern wie Zuschauern erkennbar zu. Dutzende Sportler mussten nach wenigen Hundert Metern auf der abschließenden Laufstrecke erst eine Weile gehen, ehe es zügiger gen Ziel gehen konnte. Auch das Rote Kreuz war wegen Kreislaufproblemen im Einsatz. An manchen Stellen wirbelten die Läufer förmliche Staubwolken auf.

Ein erster Platz in der Klasse 30 weiblich für die „MANNschaft“.

Wird nach dem Wettkampf für Badegäste gebraucht: das Freibad Dickendorf.

Verständlich, dass bei dieser Wärme auch „normale“ Gäste des Freibads nach dem dortigen Triathlon-Start rasch ins kühle Nass möchten. Thomas Müller überlegt, als Alternative zur jetzigen Regelung das Freibad künftig womöglich für den gesamten Tag zu mieten und somit länger (Einzel-)Starter ins Wasser lassen zu können; in diesem Jahr ging der erste um 10 Uhr und mit Erhan Sigircio aus der MANNschaft um 12.28 Uhr der letzte Starter ins Wasser und damit auf die Strecke eines super gelungenen Sprint-Triathlons.

Erhan hat es und ist geschafft…

„In diesem Jahr waren wir so früh wie noch nie ‚ausgebucht‘ – das ist wirklich ein Novum“, betont Mario Vaccargiu. Er ist beim „Mörsbachmän“ fürs Schwimmbad zuständig. „Wir ‚leben‘ vom Schwimmbad“, sagt er, „wenn das wegfallen würde, ist der Triathlon nicht mehr möglich. Da sind wir schon froh, dass wir die Möglichkeit haben.“

Vielleicht ist es jedoch für viele Triathleten sogar ein Anreiz, wenn das Starterfeld auf 500 Plätze begrenzt bleibt – und man darauf hofft, einen davon zu ergattern, 2027 zum Dickendorfer Freibad zu fahren, um bei einem Wettbewerb in der vielleicht schönsten Gegend des Westerwaldes unterwegs zu sein. So oder so: Der „Mörsbachmän“, das bestätigt Müller, solle 2027 auf jeden Fall erneut ausgetragen werden. Und sicher ist die „MANNschaft“ nach dem tollen Gemeinschaftserlebnis dieses Jahres (siehe „Support in der ‚MANNschaft‘: „Das ist schon heftig!“) ebenfalls mit Eifer und viel Freude erneut dabei.

…und für die nächste Generation „MANNschaftler“ ist Triathlon im heimischen Westerwald gleichermaßen schon ein Thema – zumindest sind unter den insgesamt 45 bei den Bambiniläufen des „Mörsbachmän“ nach dem Zieleinlauf der Erwachsenen ums Veranstaltungsgelände an der Grillhütte flitzenden Kids gleich sechs Kinder von Vereinsmitgliedern gewesen: Valentin, Jonathan, Finnlay, Kayra, Milan und Charlotte sind nicht weniger motiviert bis zum großen roten Zielbogen gelaufen, als kurz zuvor die Erwachsenen im schwarz-grünen Trikot der „MANNschaft“.

Uwe Schmalenbach

Auch bei den Kleinsten ist die „MANNschaft“ aktiv – und erfolgreich: Finnlay (Foto) gewinnt das Rennen über 250 Meter, Jonathan den 500-Meter-Lauf und Milan auf der 1.000-Meter-Distanz.

HIER gibt es noch mehr Bilder:
Die „MANNschaft“ beim 40. „Mörsbachmän“