Wirklich verdient

Als eine Truppe Sportbegeisterter rund um Hans-Jörg Sievers zum ersten Mal den „Hachenburger Löwenlauf“ organisierte, da umfasste das Teilnehmerfeld bereits beachtliche 250 Sportler. 40 Jahre liegt die Premiere nun zurück, und bei der diesjährigen Jubiläumsauflage sind, über alle Wettbewerbe, mehr als 1.500 Aktive am Start gewesen! Beim Halbmarathon und auf der 10,5-Kilometer-Distanz stark vertreten: „die MANNschaft“ – der Verein, der von „MANN Naturenergie“ unterstützt wird und mit seinem Trikotaufdruck den echten Grünstrom des Sponsors bewirbt. Am Ende wird diese Gemeinschaft unter anderem den Preis für das größte Team beim 40. „Hachenburger Löwenlauf“ mit heim nehmen.

Den Anfang machen stets die Bambini…

„Wir waren damals eine Gruppe von acht, zehn leistungsorientierten Hobbysportlern im DJK Marienstatt“, erzählt Hans-Jörg Sievers über die Anfänge der heute bei vielen Läufern aus ganz Rheinland-Pfalz, aber ebenso dem benachbarten Nordrhein-Westfalen und Hessen ausgesprochen beliebten Veranstaltung. „Und dann haben wir irgendwann, weil wir von Wochenende zu Wochenende da hingefahren sind und da hingefahren sind zu Läufen, gesagt: ‚Mensch, lasst uns doch mal in Hachenburg auch so etwas machen.‘“

Werbetrommel

…bevor die „Großen“ wie Caglar auf ihre Strecken dürfen.

„Ja, und so ist alles sukzessive gewachsen“, fährt Sievers fort, „ich bin ein Hachenburger Kind, kenne viele Leute. Drei Jahre später ist die ‚Westerwald-Brauerei‘ mit eingestiegen. Und die haben damals schon recht professionell die Werbetrommel für uns gerührt (siehe auch „Gutes regionales Miteinander“).“

Hilfe

Ebenfalls drei Jahre nach der Premiere begann der Verein DJK Marienstatt damit, den Reinerlös der „Löwenläufe“ für soziale Projekte in Indien zur Verfügung zu stellen. Er hat mitgeholfen, dass dort Kinderheime und eine Dorfambulanz im Süden des Landes möglich wurden.

Das soziale Engagement habe dem „Löwenlauf“ auch noch mal einen Drive gegeben“, ergänzt Sievers: „Wir haben in den ersten 15 Jahren rund 200.000 D-Mark nach Indien schicken können. Auch das Spenden-Engagement entwickelte sich weiter, wurde zunehmend professioneller, wie die gesamte Sportveranstaltung“, so Hans-Jörg Sievers.

Erhan ist hier noch ohne Stein im Schuh unterwegs.

Gruß

Zusammen mit Werner Reinscheid kümmert sich der langjährige Cheforganisator beim Jubiläums-„Löwenlauf“ um einen Getränkeausschank vor der Rundsporthalle, die gleich neben Start und Ziel des Wettbewerbs liegt. In dem Gebäude gibt es Verpflegungsstationen, Duschen und eine Menge Sitzgelegenheiten für die Athleten; die Siegerehrung findet dort statt. Mitstreiter Sievers‘ haben ihm neben dem Podium einen liebevollen Gruß und eine Anerkennung für die 40 Jahre seines Mittuns aufgebaut: einen Liegestuhl, damit sich der Organisator nun aber einmal ausruhen möge…

Clarissa kommt auf der 10,5-Kilometer-Runde auf jenes Teilstück, das auch Strecke der Halbmarathon-Läufer ist.

Übernahme

Hans-Jörg Sievers (links) und Werner Reinscheid sind seit Jahrzehnten dabei. „Wenn wir im Pavillon stehen, kommen ganz viele Leute, auch etliche von weit weg: ‚Och, Hans-Jörg, dass wir dich noch einmal sehen!‘“, berichtet Reinscheid.

Dessen Aufgaben hat vor neun Jahren Kevin Walterschen übernommen. Zu ihrer Zeit sei alles noch etwas anderes gewesen als beim Nachfolger, meint Werner Reinscheid dazu. Hans-Jörg Sievers arbeitete quasi nebenan als Schulleiter und hat das Sekretariat der Bildungseinrichtung durchaus in organisatorische Dinge für den „Löwenlauf“ eingebunden. Das wäre heute vermutlich nicht so leicht vorstellbar.

Super Stimmung am Streckenrand!

„Nachdem ich in den Ruhestand gegangen bin, habe ich irgendwann gefunden, dass andere Leute das fortführen müssen“, erklärt Sievers. „Und Kevin hat das wirklich immer toll gemacht. Als wir den Lauf organisiert haben, da haben wir uns ab September alle zwei Wochen mit 15, 20 Leuten oben in der Schule getroffen. Jetzt veranstaltet der Kevin drei Videokonferenzen von je 20 Minuten – und ist genauso effektiv und genauso toll. Ich kann nur hoffen, dass er das noch lange macht.“

Auch Sebastian läuft die 10,5 km.

Erhan Sigircio bekommt von den Schilderungen der Macher unterdessen nichts mit: Er ist auf der Halbmarathon-Strecke unterwegs, als Zweitschnellster der „MANNschaft“ und späterer Gesamtfünfter, wird nach den 21,5 Kilometern in 1:25:34 hinter seinem Teamkollegen Robin Graf (Gesamtvierter) finishen, der in 1:25:11 ins Ziel kommt. Aber wie das so ist mit leistungsbereiten Sportlern: Sind sie erst im Flow, stoppt sie so leicht nichts mehr. Bei Kilometer acht nämlich hatte sich Erhan offenbar einen Stein in den Carbon-Schuh (!) gelaufen. Er habe zwar gemerkt, dass da etwas ist, etwas drückte, doch anstatt anzuhalten (und einige Sekunden zu verlieren), um den Störenfried zu beseitigen, läuft er einfach weiter. Nach dem Zieleinlauf jedoch muss er sich sogar in medizinische Behandlung begeben: Der Fremdkörper hatte sich durch den Schuh in Erhans Fuß gebohrt. Neben der – aus Anlass des „40.“ eigens gestalteten – Finisher-Medaille hat er bedauerlicherweise eine Fleischwunde mit nach Hause genommen.

Ein origineller Dank an Hans-Jörg Sievers für den 40-jährigen Einsatz. Fotos: Schmalenbach, Bakic

Doch insgesamt ist das Event einmal mehr perfekt über die Bühne gegangen. Obwohl man im Oktober schon deutlich im Herbst ist, ist der Wald noch am Wettkampftag wunderbar belaubt, durch den die Kurse führen. Im vergangenen Jahr lagen schon mehr bunte Blätter am Boden. Nicht wenige Läufer, die zum ersten Mal teilnehmen, sind überrascht und nach dem Wettbewerb voll des Lobes, welche schöne Strecke sie erlebt haben. Auf der bekommt man einfach einen wunderbaren Eindruck vom Hachenburger Westerwald, selbst wenn man sich auf Pace und Atmung konzentriert.

Steigerung

„Ablauf und Organisation der Jubiläumsausgabe war nicht anders als sonst“, schüttelt Kevin Walterschen den Kopf. „Wir haben uns ein bisschen zusätzliche Arbeit gemacht, indem es Jubiläumsshirts gab und wir andere Medaillen haben machen lassen. Beides läuft sonst im Prinzip so durch. Die Abläufe waren aber sonst identisch – und schön ist, dass sich durchaus einige zusätzliche Sportler vom Jubiläum haben motivieren lassen! Denn wir haben das Teilnehmerfeld um insgesamt 300 Starter gesteigert.“

Kevin Walterschen ist mit dem Ablauf zufrieden.

„Es war schön!“, urteilt auch Clarissa Gilles. Die Läuferin der „MANNschaft“ ist mit 46:10 Minuten schnellste Frau auf der 10,5-Kilometer-Distanz des „Löwenlaufs“. Zunächst habe sie etwas Sorge gehabt, dass es etwas kalt sein könnte, „aber es war gar nicht so schlimm. Eigentlich hatten wir gutes Laufwetter – okay, vielleicht hätte es ein paar Grad wärmer sein dürfen, aber es war Regen angesagt, dafür war es topp.“ Die sechs Kilometer, die es, aus Hachenburg kommend, bergauf gegangen ist, seien anstrengend gewesen, meint die Siegerin. „Ich dachte erst, ich hätte berghoch zu viel gemacht, aber im Endeffekt war es dann doch alles gut. Ich bin zufrieden. Ein schöner Lauf, eine schöne Strecke, und es sind viele Leute da, die Stimmung ist bombig.“

Abschluss

Von der Kindergartengruppe bis zum Halbprofi: Man merkt, dass die Veranstaltung den Menschen eine Menge Freude bereitet – Teilnehmern wie Begleitpersonen oder Zuschauern: alle haben wirklich Spaß. „Es gibt Bambinis, die sind als Kinder vor 10 oder 20 Jahren gelaufen, sind dann weiter gelaufen oder haben auch Triathlon gemacht und nehmen heute als Erwachsene den ‚Löwenlauf‘ als ihren Saisonabschlusslauf im Herbst. Die sind damit großgeworden – das ist schon toll!“, sagt Werner Reinscheid.

Jana biegt auf den letzten Kilometer ein.

Markt

Früher, das erzählt er ebenso, seien Start und Ziel sogar noch in Hachenburgs „Guter Stube“ aufgebaut worden, auf dem alten Marktplatz der Barockstadt gleich neben dem sehenswerten Löwenbrunnen. „Da war die Kulisse eine zusätzliche Romantik. Da haben viele gesagt, das sei so ein besonders schöner Zieleinlauf. Aber das ging irgendwann nicht mehr, weil sich immer mehr Teilnehmer angemeldet haben.“

Niedrigschwelligkeit

„Es sind viele, die von weit weg hierherkommen“, beschreibt der Ehrenamtler, „weil alles familiär ist.“ Wohl war: Das Angebot, das der ausrichtende Verein DJK Marienstatt den Sportlern mit dem alljährlichen Lauf macht, ist niedrigschwellig, herrlich unaufgeregt und alles andere als durchkommerzialisiert wie beispielsweise die großen Citymarathons in Berlin, Frankfurt oder München. Hier kann sprichwörtlich

Jedermann mitmachen. Man sieht das auch bei den Bambini-Läufen, hier kostet die Teilnahme für die Kleinen zwei Euro. Sechs Läufe für die Kleinsten werden angeboten, und auch Familien, die finanziell nicht gar so gut ausgestattet sind, sind mit ihren Kindern an die Startlinie gekommen.

Reiz

Nicht anders bei den Hauptläufen. Klar, hier sind ebenso Semiprofis am Start und Menschen mit einer farblich aufeinander abgestimmten Ausstattung mit vierstelligem Wert. In diesem Jahr wurde das Startgeld beim „Hachenburger Löwenlauf“ erhöht, um zwei Euro. Dennoch zahlt nur 17 Euro, wer auf die Halbmarathon-Strecke gehen wollte. Die geht bis zum Gräbersberg bei Hachenburgs Nachbarort

Benjamin kommt ins Ziel.

Alpenrod, der etwa bei Kilometer zwölf erreicht wird, durchaus ordentlich bergan. Insgesamt kommen auf den 21,5 Kilometern 260 Höhenmeter zusammen, die indessen den besonderen landschaftlichen Reiz des Westerwaldes erlebbar machen.

Qualität

Fachsimpeln nach dem Lauf.

Den Eindruck des günstigen sportlichen Freizeitvergnügens mit einer hohen Qualität und herrlichen Umgebung bestätigt Benjamin Klöckner, auch er im Trikot der „MANNschaft“ unterwegs und am Ende als Drittschnellster seines Vereins auf den 21,5 Kilometern nach 1:27:32 im Ziel: „Ich musste 19 Euro bezahlen, zwei mehr, weil ich nachgemeldet habe. Aber wo gibt es das noch, einen Halbmarathon für 19 Euro? Und das bei der wirklich tollen Organisation!“, betont der Gesamtzehnte des Halbmarathons.

Auf dieser längsten Strecke sind allein 17 Starter aus der „MANNschaft“ unterwegs gewesen. Beim 10,5-Kilometer-Lauf ist das Logo von „MANN Strom“ enorme 15-mal vertreten gewesen sowie fünfmal beim 6,3 Kilometer langen Jedermannlauf. Da sind die

Bier fürs größte Team und…

Treppchen für Clarissa.

sechs Fässchen „Westerwald Bräu“, die die ihrerseits den MANN-Grünstrom nutzende „Westerwald-Brauerei“ (siehe „Gutes regionales Miteinander“) als Sonderpreis für die größte Teilnehmergruppe beim 40. „Hachenburger Löwenlauf“ gestiftet hat, wohl wirklich verdient.

Uwe Schmalenbach




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