Noch ehe die Siegerehrung zu Ende ist, ist kein einziges Stück mehr übrig. Während Clarissa aus der „MANNschaft“ an der einen Seite der Hachenburger Rundsporthalle als schnellste Frau auf den 10,5 Kilometern des diesjährigen „Hachenburger Löwenlaufs“ aufs Treppchen steigen darf (siehe „Wirklich verdient“), gibt es auf den Tischen des morgens auffallend üppig gefüllten (Kuchen-)Buffets gegenüber höchstens noch eine Handvoll halbe Brötchen und einige Bockwürste für hungrige Sportler.
Jens Geimer (ganz links), Chef der „Westerwald-Brauerei“, unterstützt die Region, den „Löwenlauf“ und wie „MANN Energie“ ebenso die „MANNschaft“ .
Zehn bis zwölf Fleißige stemmen im Orgateam die notwendigen Vorbereitungen zum „Hachenburger Löwenlauf“, wozu auch die Planung und Beschaffung der Verpflegung gehört. Am eigentlichen Wettkampftag jedoch ist selbstverständlich erheblich mehr Manpower vonnöten.
Während es sonst in den letzten Jahren mitunter schwieriger geworden war, Helfer zu finden, seien für die 2026er-Austragung viele proaktiv auf ihn zugekommen, beschreibt Cheforganisator Kevin Walterschen. „Somit hatten wir dieses Mal erstmals seit vielen Jahren überhaupt keine Not“, freut er sich. „Heute morgen war es erst nass und kalt. Und da muss man als Helfer auch erst einmal Lust haben, den Samstag irgendwo in der Prärie am Verpflegungsstand zu stehen oder die Läufer auf der Strecke zu halten“, lacht er.
Den freien Samstag „in der Pampa“ verbringen: Helfer bauen den ersten Verpflegungspunkt auf.
Genau das tun unter anderem Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Altenkirchen, die zur Unterstützung nach Hachenburg gefahren sind. „Wir hatten gefragt, ob wir helfen können und sind jetzt für verschiedene Aufgaben eingeteilt worden“, erläutert Jonas Lang. „Wir weisen den Anreisenden den Weg zu den Parkplätzen, bringen die immer super schnell losrennenden Bambinis auf den richtigen Weg, und bei den ‚Großen‘ helfen wir bei der Verpflegung, geben unterwegs Wasser und ‚Energie‘ aus.“
Gemeinschaft
Mukades Gend weist einem Verkehrsteilnehmer den Weg. Straßensperrungen wegen des Wettbewerbs machen Umleitungen erforderlich, damit die Läufer sicher unterwegs sein können.
Die DLRG-Mitglieder sagen, dass es Spaß mache, sich einzubringen für andere. „Und außerdem ist es ja auch unsere Gemeinschaft im Verein, die wir zusammen erleben.“ Lang berichtet, dass das Einsatzteam der DLRG-Ortsgruppe noch recht jung sei, „das haben wir nach der Flut an der Ahr aufgebaut. Und so langsam sind wir nun so weit, dass wir bei etwas wie dem ‚Löwenlauf‘ helfen können – und dann muss man eben auch gucken, wo wir uns einbringen können.“
Kuchenspende
Die Helfer, die sich in der Hachenburger Rundsporthalle um die Verpflegung der Teilnehmer kümmern, haben schon im Vorfeld des Wettbewerbs Dutzende Kuchenspenden gesammelt, im Spartensportverein DJK Marienstatt dafür geworben, wie dessen erste Vorsitzende Patricia Schuchmann schildert. „Wir haben alle Abteilungen und Trainingsgruppen angesprochen“, berichtet sie, „alle tragen dazu bei.“
Phase
Hat sich der Initiator und langjährige Cheforganisator des „Löwenlaufs“, Hans-Jörg Sievers, eigentlich nie die Frage gestellt, warum er sich die selbstgewählte Aufgabe alljährlich „ans Bein gebunden“ hat? Sievers denkt nur kurz nach. „Ja, irgendwann in der Vorbereitung kommt so eine Phase, da denkst du: ‚Mein Gott, du bist ja ganz alleine‘“, entgegnet er, „aber das ist ja gar nicht wahr! Das alles läuft schlicht und einfach nur, wenn du so eine tolle Mannschaft hast, wie wir sie immer gehabt haben.“
Verwandte
Helfer Frank aus dem aktuellen Orgateam kauft vor dem „Löwenlauf“ alles ein, was an der Verpflegungsstation in der Rundsporthalle mit den vielen gespendeten Kuchen sonst noch so benötigt wird, vom Kaffee bis zur Bockwurst. Bei der Ausgabe braucht man dann jedoch wieder Freiwillige. „Wir haben am Veranstaltungstag selbst viele Helfer, die sonst mit dem Sport nichts zu tun haben, jedoch mitmachen – Verwandte, Bekannte, Freunde. Oder der befreundete Verein FC Streithausen macht seit Jahren einfach so mit und kümmert sich um die Theke“, erklärt Patricia Schuchmann und deutet auf einen Ausschank an anderer Stelle der Sporthalle. „Dann haben wir bei der Medaillenausgabe viele Freiwillige – das sind oft Schülerinnen. Von daher sind wir am Tag selbst außerhalb des Orgateams, die wir uns schon seit April auf den Tag vorbereiten, insgesamt mit Streckenposten und an Verpflegungspunkten oder Absperrungen an den Strecken mit mindestens 100 Leuten im Einsatz – die nichts dafür wollen, sondern einfach hierher kommen und helfen.“
Miete
Gleichwohl: Geld kostet den Ausrichterverein etwa das Auslegen des Sporthallenbodens, damit dieser nicht beschädigt wird. Ebenso sind Beschallungsanlagen zu mieten und anderes mehr. Weshalb, das macht Patricia Schuchmann deutlich, ohne die Sponsoren genauso wenig gehen würde wie ohne die „kostenlosen“ Helfer. „Und uns helfen noch mehr Stellen: Der Bauhof unterstützt uns super, die Halle als solche wird uns zur Verfügung gestellt und vieles mehr – das läuft Hand in Hand.“
Heimat
Neben anderen Akteuren, die dafür sorgen, dass der „Löwenlauf“ überhaupt stattfinden kann, ist die „Westerwald-Bank“, die in Hachenburg ihren Sitz hat, ebenfalls alljährlich zur Stelle. Genauso wie die „Westerwald-Brauerei“, deren Heimat gleichermaßen die Barockstadt ist und deren Betrieb quasi auf der anderen Straßenseite des Start- und Zielbereichs der Sportveranstaltung liegt.
Alle Überschüsse aus Kuchenverkauf und anderem – alljährlich 4.000 bis 6.000 Euro – werden nach dem „Hachenburger Löwenlauf“ für mildtätige Zwecke gespendet, wie Patricia Schuchmann schildert. Fotos: Schmalenbach, Bakic
Zur „MANNschaft“ besteht noch eine ganz besondere Verbindung dieses wichtigen Sponsors: Nicht allein, dass die Bierbrauer um Chef Jens Geimer die Sportler das ganze Jahr über mit Alkoholfreiem versorgen, das die Aktiven gerne nach Wettkämpfen als isotonisches Getränk zur Regeneration trinken – die Brauerei arbeitet ihrerseits mit dem Trikotsponsor „MANN Strom“ zusammen und nutzt dessen „grüne Energie“ beispielsweise zum Kühlen der Reifetanks, in denen das „Hachenburger Pils“ oder „Westerwaldbräu“ ihren Geschmack bekommen. Ein schöner Schulterschluss also zwischen zwei heimischen Unternehmen, die zusammenarbeiten und zugleich dem Gemeinwohl dienend den Gedanken eines guten regionalen Miteinanders leben.
Kombination
Denn auch das ist der „Hachenburger Löwenlauf“ jenseits aller Bestzeiten: Ein gelungenes Beispiel, wie in der Kombination aus Ehrenamt, Sponsoring und Freude an der Bewegung eine Veranstaltung selbst in Zeiten überall knapper werdender Kassen stattfinden kann, die so vielen so viel Freude macht, dass dafür Teilnehmer sogar von weit her anreisen. Auch, wenn der gespendete Kuchen am Ende des Events vielleicht einmal nicht für alle reichen sollte…
