Und wieder läutet die Glocke

Während am Nürburgring bei „Rock am Ring“ die Gitarren glühten, lief in Höchstenbach ein abgefahrenes Sport-Festival. Kein Headliner, keine Bühne, dafür ein Rundkurs, eine Glocke – und die Frage, die über allem schwebte: Wie lange tragen die Füße?

Das „Backyard-Ultra“-Format hat es in sich. Die Regel ist absurd einfach und gnadenlos: Jede Stunde, auf die Minute genau, läutet eine Glocke. Dann müssen alle Teilnehmer eine 6,7-Kilometer-Runde mit 71 Höhenmetern schaffen – innerhalb dieser einen Stunde. Wer schneller fertig ist, darf sich ausruhen, essen oder sogar einen Powernap machen. Und steht zur nächsten Stunde erneut am Start.

Wieder. Und wieder. Und immer wieder.

Es gibt keine Ziellinie. Es gibt nur die nächste Runde. Und die Frage, wer als Letzter übrigbleibt. Alle anderen Teilnehmer haben technisch gesehen dann ein DNF in der Ergebnisliste stehen.

Organisiert wurde dieses surreale Lauferlebnis von der Wäller Ultralegende Katja Dasbach und ihrer Crew. Danke, Katja! Man kann mit ruhigem Gewissen sagen: Es gibt kein Sportevent auf der Welt, bei dem man für so wenig Geld so viel laufen darf.

Das Event geht über zwei Tage – bis nur noch eine Läuferin oder ein Läufer übrig ist. Der spätere Gewinner muss am Ende nur noch eine einzige Runde mehr beenden als alle anderen. Als Preis gab es dafür – passend zum Ausdauer-Marathon – eine Kreuzfahrt.

Sebastian Wolf, Erhan, Thomas und Sebastian Lachermeier (von links) sind für die „MANNschaft“ in Höchstenbach gewesen.

Und genau hier zeigt sich, was diesen Sport so besonders macht: Ein „DNF“ klingt nach Scheitern. Ist es aber nicht. Jede Runde mehr ist ein Sieg über den Kopf, der längst „Schluss jetzt“ schreit.

Während der eine sich durch die Nacht und die Höhenmeter kämpft, halten die anderen den Block warm, reichen Wasser, klatschen ab. Insgesamt waren 192 Teilnehmer gemeldet, der ein oder andere mit professionellem Team im Rücken.

Gewinner des gesamten Events wurde am Ende Devin Agca mit unfassbaren 34 Runden und 228 km. 34-mal die Glocke. Unser tiefster Respekt an Devin.





Die „MANNschaft“ beim Backyard:

Erhan Sigircio mit 11 Runden und 73,76 km, Sebastian Wolf mit 10 Runden und 67,06 km, Thomas Steinebach mit 7 Runden und 46,94 km sowie Sebastian Lachermeier mit 5 Runden und 33,53 km.