Unser Mann auf Hawaii - Teil 6

Timo Heine über den Ironman Hawaii

Fotograf: Harald Kohlhaas

Fotograf: Harald Kohlhaas

 

Aloha.

Das Rennen ist vorbei. Mit der Erkenntnis, dass eine Erkältung im Vorfeld doch mehr PS kostet als vermutet. Aber ich bin sehr froh, das Ding trotzdem in 12 Stunden und 30 Minuten durchgezogen zu haben. Und mein Traum, mal bei Sonnenuntergang das Natural Energy Lap runter zu laufen, ist dabei auch „zufälligerweise“ erfüllt worden. Ein wahnsinniges Gefühl und emotional sehr ergreifend.

Morgens um 4 klingelte der Wecker. Ein kleines Frühstück eingenommen und schon ging es nach Kailua zur Wechselzone. Bodymarking, Luft in die Pneus gepumpt und warten bis zum Startschuss um 06:55 Uhr.
Schon im Wasser habe ich mich nur treiben lassen und bin nach einer Stunde und 10 Minuten an Land gekrabbelt. Normalerweise geht es 10-15 Minuten schneller.
Auf dem Rad fehlte auch jeglicher Druck, sodass ich schon relativ früh ans Aufgeben gedacht habe. So bin ich die Strecke im 30er Schnitt gefahren, was bei mir eher ein normales Trainingstempo darstellt. Ich habe mich gut ernährt, viel getrunken und wollte dann auf den ersten Kilometern beim Laufen sehen, ob ich mir noch einen kompletten Marathon zutrauen konnte. Aber einmal auf der legendärsten Laufstrecke im Triathlonsport unterwegs, treiben einen gerade auf der ersten Schleife am Meer entlang die Zuschauer ziemlich an. Nach 16 Kilometern ging es dann hinter der steilen Palani-Road auf den Queen-K Highway. Nur noch 26 Kilometer und jede Menge Zeit bis Mitternacht. Selbst komplett wandernd würde ich jetzt noch ins Ziel kommen. Also spazierte ich die Palani hoch. Die letzten 26 Kilometer bestanden dann aus wandern und sehr langsamen Laufen. Von der großen Zehe bis in die letzte Haarspitze tat alles weh, aber das ist „Part of the game“. Vor 8 Jahren war ich über 3 Stunden schneller und die Schmerzen waren die Gleichen, nur waren sie schneller vorbei.

Nach 41 Kilometer biegt man schließlich auf den Alli Drive ab und genießt die letzten Meter bis in das Ziel. Die Schmerzen sind für einen kurzen Augenblick vergessen. Die Erlebnisse während meines bisher „langsamsten“ Ironman waren einmalig und prägen gewaltig. Jetzt darf ich noch etwas mehr als eine Woche das schöne Wetter und die Insel genießen und die Eindrücke vom Rennen verarbeiten.