Belchen hoch 3 = Platt hoch 3 plus Regen hoch 3: Saisonhighlight Team Radmarathon

Autor: Daniel Stefes, Team Radmarathon
Die MANNschaft e.V. Verein zur Förderung des Ausdauersports

Bad Krozingen am Sonntag, 31.07.2016 um 4:30 Uhr in der Früh:  knapp 80 unerschrockene Teilnehmer des „Belchen hoch 3“ zwängen sich bei schwerem Gewitter und sintflutartigem Regen zum offiziellen Briefing in ein schwach beleuchtetes Zelt. Für die vier Teilnehmer des Teams Radmarathon der MANNschaft Nico Birk und Raphael Bartel, sowie die Brüder Daniel und Tobias Stefes soll dies eigentlich der Höhepunkt des Rennradjahres 2016 werden: Belchen hoch 3 – das heißt an einem Tag mit dem Rad alle drei Belchen im Dreiländereck zu bezwingen – eine (Tor-)Tour über mehr als 300 Kilometer und 4.000 Höhenmeter. Mit dabei ist auch Marc Voigt, der kurzfristig für den verhinderten Stefan Löhr einspringen konnte.

Gegen 5 Uhr ist das Gewitter weitergezogen und der Regen lässt etwas nach. Die fünf Westerwälder starten mit ihrer Gruppe gegen 5:30 und damit bereits kurz hinter dem Zeitplan. Ausgerüstet mit Licht und Warnwesten geht es über Staufen ins Münstertal und damit direkt in den ersten langen Anstieg auf das Schwarzwälder Belchen. Etwas mehr als 1.200 Höhenmeter verteilen sich dabei auf rund 24 Kilometer, darin auch eine Zwischenabfahrt, in der rund 200 Höhenmeter „verschenkt“ werden. Bei starkem Wind aber ohne Regen erreichen sie nach gut 2 Stunden das Belchenhaus unterhalb des Gipfels und stärken sich bei Tee, Kuchen und Hefezopf. Nach kurzer Pause geht es in die Abfahrt nach Schönau und weiter durchs Wiesental über Schopfheim nach Rheinfelden. In der Schweiz angekommen geht nach etwa einem Viertel der Gesamtstrecke der erste Wolkenbruch über sie nieder. Völlig durchnässt erreichen sie die Verpflegungsstelle in Diegten unterhalb des Schweizer Belchen, genauer „Bölchen“. Frisch gestärkt folgt der mit stellenweise über 15% sehr steile Anstieg. Damit stehen nach etwa 110 Kilometern bereits über 2.000 Höhenmeter auf dem Tacho.

Gerade wieder angetrocknet und aufgewärmt folgt Wolkenbruch Nummer Zwei– und es liegt noch nicht die Hälfte der Strecke hinter Nico, Daniel, Tobias, Raphael und Marc.
Auf leicht abfallender Straße führt die Strecke gerade nach Norden in Richtung Basel. Kurz hinter dem Grenzübertritt Plattfuß bei Tobias. Die anderen 30 Fahrer der Gruppe warten und der Schlauch ist schnell gewechselt. Gerade soll es weitergehen, als sich auch noch die Kette verklemmt. Die meisten Fahrer bekommen das nicht mit und fahren weiter. Tobias, Daniel und vier weitere sind abgehängt. Tobias hat die Strecke aber auf seinem GPS-Tacho, sodass die Gruppe an der nächsten Verpflegungsstelle in Weil am Rhein wieder eingeholt werden kann. Hier gibt es Pasta für alle und genau zur Hälfte der Strecke eine ausgiebige Pause.

Das Wetter hat sich etwas stabilisiert – so scheint es, denn nach wenigen Minuten erwischt die Sportler Wolkenbruch Nummer Drei – weiter nass bis auf die Haut. Die folgenden 60 Kilometer sind recht flach, aber einige Wellen kosten doch Kraft, besonders wenn man schon über 200 Kilometer in den Beinen hat.  Endlich ist der Fuß des Grand Ballon – des Belchen der Vogesen erreicht. Der letzte große Anstieg des Tages liegt vor ihnen. 1.100 Höhenmeter auf 22 Kilometer klingen nach einer machbaren Steigung von rund 5% - wäre da nicht eine fiese Zwischenabfahrt, die den Anstieg in zwei Abschnitte teilt: 600 Höhenmeter durch dichten Wald mit einer Steigung von rund 8% tun schon richtig weh. Sie glauben das schwerste geschafft zu haben und biegen um eine Kurve. Vor ihnen liegt eine Abfahrt von 100 Höhenmetern und dahinter baut sich der Grand Ballon noch einmal richtig auf! Weitere 500 Höhenmeter mit teilweise deutlich über 8% und Gegenwind – nach 240 Kilometern und über 4000 Höhenmetern eine echte Qual. Jeder fährt sein Tempo – und Raphael kurz vor Ende des Anstiegs nochmal doppelt platt!

Die letzte Verpflegung auf dem höchsten Punkt der Straße auf den Grand Ballon gibt nochmal Kraft, aber der starke Wind kühlt den Körper schnell aus. Warnwesten und Beleuchtung werden wieder angelegt, denn es ist bereits kurz vor 20 Uhr, als sie sich in die Abfahrt stürzen. Zügig fahren sie in einer großen Gruppe mit 40 km/h durchs Rheintal, während erstmals die Sonne durch die Wolken bricht. Auf gerader Strecke plötzlich ein Zischen: Plattfuß bei Daniel – der dritte für heute! Unter dem Licht der Radlampen wird der Schlauch gewechselt und es geht weiter. Bis auf das Surren der Räder rollt das Feld geräuschlos in die Nacht dem Ziel entgegen.
Um 22:08 Uhr erreichen sie geschlossen das Zelt im Kurpark von Bad Krozingen – wo viele blaue Flämmchen auf den Gläschen des hochprozentigen Belchengeists leuchten.
Die Belohnung für rund 13 Stunden im Sattel, Wetterkapriolen, platte Reifen, Kämpfen, Teamgeist, Freuen und Genießen – alles was die Langstrecke auf dem Rennrad ausmacht.